Los geht's! - Praxishandreichung für den deutsch-russischen Jugend- und Schulaustausch

Bildungsraum Austausch: Was ist das?

Jugendliche in ihrer Bildungsbiographie ernst zu nehmen, bedeutet für die Leitung einer Jugendbegegnung vor allem, sich über die Chancen klar zu werden, die eine internationale Begegnung für die Teilnehmenden bietet. Wie können diese Chancen genutzt und der so entstehende Bildungsraum bewusst gestaltet werden?

Austausch als Lernort

Austausch wirkt! Das belegen zahlreiche Studien, die über die Website des IJAB recherchiert werden können. Jugendliche haben im Rahmen von Austauschprojekten die Möglichkeit, persönliche, fachliche sowie sprachliche Kompetenzen zu erwerben und zu erweitern:

  • Das Interesse der Jugendlichen für andere Länder und Lebensweisen steigt. Sie vertiefen ihr Wissen über den Alltag in den Partnerländern und lernen, Fremdes besser zu verstehen sowie Toleranz und Einfühlungsvermögen zu entwickeln.
  • Internationale Begegnungen dienen dem Erkennen, Verstehen und Reflektieren der eigenen kulturellen Sozialisation.
  • Austauschbegegnungen tragen zur Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen bei.
  • Austauschbegegnungen bieten mitunter die Gelegenheit, Einblicke in andere Berufszweige zu erhalten, und können somit auch berufsqualifizierende Bedeutung haben.
  • Bei den Jugendlichen steigt die Motivation zum Erlernen von Fremdsprachen. Viele verbessern ihre Englisch- oder andere Fremdsprachenkenntnisse aus der Erkenntnis heraus, dass es tatsächlich praktisch nützliche Fertigkeiten sind.

Jugendaustausch und Jugendbegegnungen sind als Bildungsraum der Rahmen, in dem sich diese Wirkungen entfalten können. Diesen Raum zu gestalten, ist die zentrale Herausforderung für die Leiterinnen und Leiter der Begegnung.
 

Literatur

„Langzeitwirkungen internationaler Jugendbegegnungen – Orientierungshilfe für die Praxis“: Der Flyer fasst die Ergebnisse der Studien zusammen, die Prof. Dr. Alexander Thomas an der Universität Regensburg mit seinem Team zu Wirkungen von internationalem Schüler- und Jugendaustausch erstellt hat. Er kann kostenlos bei IJAB bestellt werden.

„Jugendarbeit wirkt“: Der Reader bereitet die Ergebnisse verschiedener Forschungen zu Langzeitwirkungen internationaler Schüler- und Jugendbegegnungen auf und kann ebenfalls über den IJAB bestellt werden.

Die Studien in voller Länge können z.B. anhand von Stichworten über die Forschungsdatenbank des ijab recherchiert werden

Vom interkulturellen zum diversitätsbewussten Ansatz

Im Jugendaustausch begegnen sich die Teilnehmenden nicht nur als Deutsche und Russen, sondern auch als männlich und weiblich, in der Stadt oder auf dem Dorf lebend, arm und reich, gläubig und nicht-gläubig, mit oder ohne Migrationsgeschichte… Diese komplexe Identität junger Menschen wird im diversitätsbewussten Ansatz berücksichtigt und ist somit als Weiterführung des traditionellen Ansatzes des interkulturellen Lernens zu verstehen.

Interkulturelle Bildung konzentriert sich dabei auf kulturelle Zugehörigkeiten als maßgebliches Unterscheidungsmerkmal, anhand dessen Lernen ermöglicht wird. Dies wird vom diversitätsorientierten Ansatz um eine Vielzahl weiterer Differenzlinien erweitert, die einerseits offenlegen wie komplex Identitäten sind und andererseits Annäherungen jenseits kultureller Zugehörigkeiten erleichtern.
 

Literatur

Impulse für die eigene Arbeit mit dem diversitätsorientierten Ansatz finden Sie hier:

Die Website der Anti-Bias-Werkstatt ermöglicht den kompakten Einstieg in den diversitätsorientierten Ansatz und bietet weiterführende Literatur und Links:
www.anti-bias-werkstatt.de

Gut für das Verständnis des diversitätsorientierten Ansatzes in der Internationalen Jugendarbeit eignet sich das folgende Buch:
Eisele, Elli / Scharathow, Wiebke / Winkelmann, Anne-Sophie (2008): ver-vielfältig-ungen. Diversitätsbewusste Perspektiven für Theorie und Praxis internationaler Jugendarbeit, Weimarer Beiträge zur politischen und kulturellen Jugendbildung 4.

Den diversitätsbewussten Ansatz und seine Bedeutung für die Internationale Jugendarbeit erklärt auch das Positionspapier von DIVE – Netzwerk für diversitätsbewusste Jugend- & Bildungsarbeit: http://netzwerk-diversitaet.de/

Als Impuls zum Nachdenken über Stereotype eignet sich auch dieser Beitrag im Internet.

Schulisch, außerschulisch, beruflich oder…?

Bildungsräume für Jugendliche eröffnen sich überall dort, wo junge Menschen lernen – das ist im Austausch ganz genauso der Fall. Austausch und Begegnung finden daher sowohl im schulischen und berufsbildenden Kontext Platz als auch in der Welt des außerschulischen Engagements von Jugendlichen in Verbänden und Vereinen, bei Theater, Musik und Sport. Schule und Jugendhilfe können den „Bildungsraum Austausch“ auch gemeinsam gestalten und damit den Begegnungen neue Impulse verleihen.

Neue Zielgruppen erschließen

Alle Jugendlichen in Deutschland sollten die Möglichkeit haben an einer internationalen Begegnung teilzunehmen. Vielfältige Projekte und Initiativen versuchten und versuchen, diese Herausforderung anzugehen.
 

Literatur

JiVE: Übergreifendes Ziel der jugendpolitischen Initiative JiVE war es, die Beteiligung benachteiligter Jugendlicher mit Migrationshintergrund an der internationalen Jugendarbeit zu erhöhen: https://www.ijab.de/jive/ 

djo-Deutsche Jugend in Europa: Als eine der größten Selbstorganisationen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt ein Schwerpunkt des Engagements der djo auf der Arbeit mit Russland: www.djo.de

Kreisau-Initiative Berlin e.V.: Mit ihrem Schwerpunkt auf inklusiver Pädagogik ist die Kreisau-Initiative eine der Vorreiterinnen in diesem Bereich: www.kreisau.de

Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe: Hier finden sich gebündelt allgemeine Informationen zum Thema Inklusion: www.jugendhilfeportal.de

Initiative Austausch macht Schule: Die gemeinsame Initiative verschiedener Organisationen, die internationalen schulischen Austausch und Jugendbegegnungen fördern, setzt sich dafür ein, internationale Begegnungen als wertvollen »Bildungsort« im Bildungssystem nachhaltig zu verankern.
https://www.austausch-macht-schule.org/

Auch heute noch haben bei weitem nicht alle Jugendlichen gleiche Zugänge zu internationalen Begegnungen: Verschiedene Personengruppen sind unterrepräsentiert. Welche Beschränkungen es gibt, hat die Zugangsstudie „Warum nicht? Studie zum internationalen Jugendaustausch. Zugänge und Barrieren“ (2018) untersucht.

Literatur

IKUS – interkulturelles Lernfeld Schule: In einem Pilotprojekt erprobten 14 Kölner Schulen die Kooperation von internationaler Jugendarbeit und Schule. Das Projekt bietet Anregungen für die eigene Praxis.

„Kommune goes international“ zielt darauf ab, die Anzahl der Maßnahmen der internationalen Jugendarbeit auf kommunaler Ebene zu erhöhen, unter anderem durch die Vernetzung von Jugendhilfe und Schule.