Los geht's! - Praxishandreichung für den deutsch-russischen Jugend- und Schulaustausch

Austausch im beruflichen Rahmen

Junge Menschen in Ausbildung nutzen internationale Bildungsangebote immer noch in deutlich geringerem Umfang als Jugendliche an Gymnasien oder Studierende. Dadurch entgehen ihnen entscheidende Orientierungs-, Entwicklungs- und Qualifizierungschancen.

Der Anteil der Auszubildenden mit Auslandserfahrung liegt nach aktuellen Hochrechnungen der Nationalen Agentur beim BIBB (NA beim BIBB) im Abschlussjahrgang 2019 bei etwa 7 Prozent. Bereits im Jahr 2013 hatte der Deutsche Bundestag empfohlen, dass im Jahr 2020 mindestens 10 Prozent der Auszubildenden im Laufe ihrer Ausbildung Auslandserfahrung sammeln sollten. Momentan findet etwa die Hälfte der ausbildungsbezogenen Auslandsaufenthalte im Rahmen des europäischen Bildungsprogramms Erasmus+ statt, was auch zur Stärkung eines europäischen Zugehörigkeitsgefühls beiträgt. Nicht zuletzt steigern Auslandsaufenthalte die Attraktivität einer Berufsausbildung insgesamt.

Persönliche Stärkung und berufliche Qualifizierung

Ein Lernaufenthalt in der betrieblichen Praxis eines anderen Landes fördert nicht nur Persönlichkeitsentwicklung und Unvoreingenommenheit im Umgang mit anderskulturellen Personen. Eine berufsbezogene Erweiterung von Fremdsprachenkenntnissen kann ein Türöffner für spätere Fortbildungsmöglichkeiten sein. Weil im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen ihre Waren und Dienstleistungen in anderen Ländern anbieten, haben ausgebildete Fachkräfte zunehmend auch internationale Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Ausbildungsbezogene Auslandsaufenthalte sind deshalb auch echte Qualifizierungsmaßnahmen, wenn sie beispielsweise angehende Kaufleute, Mechatronikerinnen bzw. Mechatroniker oder Industriemechanikerinnen bzw. Industriemechaniker befähigen, ausländische Kundschaft zu betreuen oder in internationalen Projektteams mitzuarbeiten.

Ausbildungsbezogene Russland-Aufenthalte

Für Lernaufenthalte in Ländern außerhalb der EU wie etwa der Russischen Föderation standen Fördermittel bisher nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Angesichts der großen Bedeutung für den Außenhandel sollte der Erwerb von Russland-Kompetenz in der Ausbildung eigentlich keine Seltenheit sein. Auch die russische Sprache spielt als internationale Geschäftssprache eine herausragende Rolle. Jedoch hatten laut einer Mobilitätsstudie der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) im Abschlussjahrgang 2017 nur etwa 60 angehende Fachleute (0,2 Prozent der Absolventinnen und Absolventen) Gelegenheit, im Laufe ihrer Ausbildung Russland-Erfahrung zu sammeln. Die überwiegende Zahl dieser Aufenthalte konnte mit Unterstützung der Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch von den schulischen Lernorten realisiert werden. Vor allem entwickelten sich stabile deutsch-russische Berufsschulpartnerschaften – teils eingebettet in Städte- und Regionalpartnerschaften. Sie sind ein wichtiger Ausgangspunkt für eine Ausweitung der Aktivitäten in der Berufsbildung. Seit November 2018 bietet hier AusbildungWeltweit, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), neue Perspektiven (www.ausbildung-weltweit.de).

Sprechfähige Brückenpersonen

Berufsschullehrkräfte und Ausbildungsverantwortliche spielen eine Schlüsselrolle bei der Begleitung und Umsetzung internationaler Ausbildungsaktivitäten. Wünschenswert wäre, dass sie internationale Angebote künftig noch stärker in Berufsschulen, Betriebe und andere Einrichtungen der Berufsbildung hineintragen und Jugendliche zu einem Lernaufenthalt im Ausland ermutigen.

Praxisbeispiele

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