Organisation eines deutsch-russischen Jugendaustausches

Zusammenkommen ist ein Beginn…

Wie finde ich einen passenden Austauschpartner?

Alla Leisner 

Im Rahmen meiner Tätigkeit in der Stiftung DRJA habe ich oft Anfragen bekommen, wie und wo man bei der Suche nach einem Austauschpartner in Russland bzw. Deutschland anfängt. Tatsächlich ist diese Frage gar nicht so trivial wie sie klingt und hat sehr viele Facetten. Was muss also bei der Partnersuche beachtet und geklärt werden?

Einen Ausgangspunkt finden

Die Suche nach einem Austauschpartner kann an verschiedenen Punkten ansetzen. Steht die Organisationsform im Mittelpunkt, so kann z.B. im schulischen Austausch nach einer analogen Schulform gesucht werden. Dies betrifft alle Schultypen und somit den klassischen Schulaustausch (Gymnasium, Stadtteilschule, Gesamtschule, Waldorfschule etc.) Die Seite Partnerschulnetz  bietet einen guten Ausgangspunkt für die Suche. Im außerschulischen Jugendaustausch können Dachverbände beraten, ob es ähnliche Organisationen im Partnerland gibt (z.B. bei Sportvereinen oder den helfenden Verbänden wie der THW-Jugend).

Gerade in der außerschulischen Jugendarbeit gibt es jedoch selten ähnliche Organisationsformen, da die Jugendarbeit in beiden Ländern sehr unterschiedlich organisiert ist. In diesem Fall hilft das Interesse an einem bestimmten Thema weiter. Auch hier kann der Dachverband hilfreich zur Seite stehen, aber auch internationale Netzwerke oder Veranstaltungen wie Kongresse können gute Gelegenheiten sein, eine Partnerorganisation zu finden. Wenn es gemeinsame thematische Interessen gibt, tritt die Organisationsform in den Hintergrund und es sind auch z.B. Kooperationen zwischen einer Schule in Russland und einem deutschen Verein möglich.

Gerade für kommunale Träger interessant und unterstützend bei der Suche nach einem Partner können Städtepartnerschaften sein. Informationen zu bestehenden Städtepartnerschaften, Gebietspartnerschaften und Städtefreundschaften finden Sie auf der Seite des deutsch-russischen Forum und in der Datenbank des Rates der Gemeinden und Regionen Europas. Häufig gibt es Städtepartnerschaftsbeauftragte oder auch Städtepartnerschaftsvereine, die sich der Pflege dieser Kontakte widmen und hilfreiche Tipps geben können.

Häufig sind auch persönliche Kontakte hilfreich: Haben Sie in Ihrer Klasse/Schule oder Jugendgruppe eine Person, die vielleicht persönliche Kontakte nach Russland hat und über diese den Kontakt zu einer Organisation herstellen kann? Prüfen Sie auch diese Möglichkeit und nutzen Sie Ihre Netzwerke.

Auch wenn all diese Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen, müssen Sie natürlich nicht auf den deutsch-russischen Jugendaustausch verzichten. In dem Fall helfen die beiden Koordinierungsbüros für den bilateralen Jugendaustausch weiter: In Russland ist dafür das Koordinierungsbüro in Moskau und in Deutschland die Stiftung DRJA in Hamburg zuständig.

Den Partner kennen lernen

Um einerseits den richtigen Partner zu finden und sich andererseits in der ersten Phase besser kennen zu lernen, sollten Sie als Projektleitung ein paar Vorüberlegungen anstellen. Wenn Sie Ihr Gesuch veröffentlichen wollen, eignet sich ein Steckbrief (nicht länger als eine Seite). Aber auch wenn Sie Ihren Partner auf anderem Weg kennen lernen, sollten sie sich in jedem Fall über folgende Punkte austauschen:

  • Kurzprofil Ihrer Institution

Seien Sie offen und beschreiben Sie Ihre Organisation ehrlich. Vergessen Sie nicht, Stärken und mögliche Besonderheiten zu beschreiben, die aus Ihrer Perspektive für den Austauschpartner interessant und wichtig sein könnten.

  • An welcher Partnerschaft sind Sie interessiert?

Versuchen Sie, sich ein Profil der gesuchten Partnerorganisation vorzustellen: Wonach suchen Sie, was ist aus Ihrer Sicht wichtig? Denken Sie z.B. an die Organisationsform / Schulart, Alter der Jugendlichen, Grundsätze und Ziele der pädagogischen Arbeit.

  • Welche Region (Gebiet, Bundesland, Stadt) des Partnerlandes eignet sich am besten für Ihr Projektvorhaben und wieso?

Häufig werden bei einer Suche nach dem Austauschpartner die Hauptstädte oder Großstädte des Partnerlandes gewählt. Denken Sie weiter, haben Sie Mut und befreien Sie sich von Klischees – echte Überraschungen erleben Sie eher in der russischen Provinz. In Abhängigkeit von Ihrem Projektthema könnten ohnehin Orte abseits der Metropolen eine sinnvollere Wahl sein.

  • Welche Sprache (-en) wird (werden) beim Austausch verwendet?

Entgegen einer verbreiteten Annahme ist es für einen deutsch-russischen Austausch nicht notwendig, die jeweils andere Sprache zu beherrschen: Auch mit Englisch als Arbeitssprache lassen sich wunderbare Projekte gestalten. Sie sollten den Sprachaspekt aber bei der Partnersuche thematisieren: In welcher Sprache kann die Projektarbeit stattfinden (Kenntnisse der Projektleitung und der Jugendlichen)? Soll Sprachmittlung eine Rolle spielen? Wie wird Sprachanimation einbezogen? (sh. Texte „Sprachmittlung und Dolmetschen in Jugendbegegnungen“ von Ines Ackermann und „Wortreich im Austausch“ von Henrike Reuther)

  • Welche Gruppengröße ist für den geplanten Austausch angemessen?

Sicherlich ist die Beantwortung dieser Frage sehr individuell und hängt von der Erfahrung der Projektleitung ab. Für Neulinge ist es empfehlenswert, ihre eigenen Kräfte realistisch einzuschätzen und sich – gerade bei einem ersten Austausch – nicht zu überfordern.

  • Welche Schwerpunkte und Projektthemen sollten beim Austausch thematisiert werden?

Eine Auflistung möglicher Themen und Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit erleichtert es dem Partner, gemeinsame Interessen zu identifizieren.

  • Was ist für Sie persönlich wichtig?

Welche Ziele wollen Sie mit dem Austausch erreichen – für sich persönlich, für Ihre Organisation, für die Teilnehmenden? Benennen Sie die wichtigsten, so dass potentielle Partner erkennen können, ob es hier Überschneidungen gibt.

Nicht all diese Punkte müssen Eingang in einen Steckbrief finden, Sie sollten Sie jedoch mit Ihrem neuen Austauschpartner thematisieren, um Ihre Zusammenarbeit zu gestalten.

Die Zusammenarbeit organisieren

Solide und langjährige Austauschpartnerschaften zeichnen sich durch gegenseitige Anerkennung und Vertrauen zueinander sowie einen kontinuierlichen Dialog aus. Alle Phasen Ihres Austausches (Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und Evaluation) sollten Sie daher gemeinsam planen und strukturieren. Um eine vertrauensvolle Partnerschaft aufzubauen, sind stetiger Kontakt zwischen den beiden Projektleitungen und regelmäßige Begegnungen zwischen beiden Partnerländern wichtig.

Nicht zuletzt bereitet eine gemeinsame Partnerschaft nicht nur Arbeit, sondern viel Freude, wenn Absprachen funktionieren und die involvierten Akteure eines Austausches sich gut verstehen. Ein Austausch verläuft nicht immer komplett reibungslos, aber das Streben nach Verständnis sowie die gemeinsame Gestaltung des Prozesses sind durchaus realistisch.

Beim Aufbau einer gelungenen Partnerschaft kann ein gemeinsamer Partnerschaftsvertrag bzw. eine Vereinbarung hilfreich sein, die den Beginn einer Partnerschaft, den Zweck und/oder gemeinsame Ziele, die künftigen Visionen und die verabredeten gemeinsamen Projekte ausformuliert und fixiert.

 

Checkliste

Anregungen, was so ein Kooperationsvertrag beinhalten sollte, finden Sie in der folgenden Checkliste:

Checkliste Kooperationsvertrag

 Alla Leisner arbeitet seit 2020 als Stellvertretende Referatsleiterin Förderung und Qualifizierung in der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Überdies ist sie Lehrerin von Beruf, die diverse Erfahrungen im Schuldienst und bei der Organisation und Begleitung von Austauschprojekten für Schülerinnen und Schüler und Fachkräfte gesammelt hat. Sie ist der Meinung, dass bei der Partnersuche einerseits eine durchdachte Struktur notwendig ist und andererseits die eigene Motivation auf den Prüfstein gestellt werden sollte.

Kontakt

Die beiden Koordinierungsbüros für den deutsch-russischen Jugendaustausch unterstützen Sie bei der Suche:

Wissenswertes

zur Partnerschaftssuche:

Auf der Suche nach einer Schulpartnerschaft für den Jugendaustausch mit Russland kann folgende Seite hilfreich sein:

Im außerschulischen Bereich fragen Sie bei Dachverbänden nach, z.B. bei:

zu Städtepartnerschaften:

Informationen finden Sie beim